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Vorstellungen / Termine
Der fliegende Holländer

ZusatzAngebote

Der fliegende Holländer

Romantische Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner

Aufführungsdauer: 2 Stunden 15 Minuten
Keine Pause.

Mit deutschen Übertiteln

Mittwoch, 24. Mai / 19:30 Uhr
Normalpreis: 14,50 bis 34,70 Euro
Großes Haus | theaterhagen
    Elberfelder Straße 65, 58095 Hagen

Beschreibung

Genau in der Mitte der Oper erklingt eine Ballade. Gesungen wird sie von der jungen Norwegerin Senta, die völlig hingerissen ist von der Schauergeschichte, die sie vorträgt. Es geht darin um einen umherirrenden Seemann, der verdammt ist, in alle Ewigkeit über die Meere zu segeln. Nur einmal in sieben Jahren darf er an Land gehen. Fände er dabei eine Frau, die ihn treu liebt, so wäre er erlöst. Diese Ballade fasst die Handlung der frühen Wagner-Oper Der fliegende Holländer zusammen. Senta wird, wie sie sehr wohl ahnt, die Frau sein, die den ruhelosen Seemann erlöst– um den Preis ihres eigenen Lebens.

Richard Wagner fand die Sage, die nach langer mündlicher Überlieferung seinerzeit auch mehrfach niedergeschrieben wurde, ausgerechnet bei Heinrich Heine, dessen ironische Färbung ihn allerdings nicht im mindesten interessierte: Ganz in der Tradition romantischer Gespensteropern, nahm er die Handlung vollkommen ernst als Märtyrergeschichte, deren Held nur durch das Opfer einer bedingungslos liebenden Frau erlöst werden kann – ein Thema, das den Komponisten zeitlebens beschäftigte.

Inspirationen für Atmosphäre und einzelne Motive der Seefahrer-Oper lieferte eine eigene, stürmische Seereise von Riga nach London, die der junge Kapellmeister im Jahr 1839 auf der Flucht vor Gläubigern antrat. Die gesamte Oper aber sei, so erklärte Wagner später, aus der Ballade der Senta hervorgegangen: Sie sei die Keimzelle, von der ausgehend er die Musik entwickelt habe. Nun ist mit Wagners Selbstdarstellungen meist vorsichtig umzugehen. Dass er die Ballade als erstes Stück der Komposition niederschrieb, scheint eher in den Bereich der Legende zu gehören. Allerdings bildet sie tatsächlich ein motivisches Zentrum, das in das ganze Werk ausstrahlt. Hier lässt sich ein entscheidender Schritt auf Wagners Weg zum »Musikdrama« erkennen: Die Arbeit mit einem immer wieder aufgegriffenen und variierten Hauptthema weist voraus auf die Leitmotiv-Technik, die zu einem bestimmenden Merkmal seines Komponierens werden sollte. In dieser frühen, romantischen Oper erreichte er so bereits eine starke Einheit von Szene und Musik, deren klanglicher und atmosphärischer Dichte man sich nur schwerlich entziehen kann.

Beverly und Rebecca Blankenship im Interview mit Dramaturgin Corinna Jarosch

Die Gesellschaft spielt eine wichtige Rolle in dieser Oper. Was ist das für eine Welt?

Beverly: Wir erzählen die Geschichte von einer Gemeinschaft, die arm ist. Das Notwendigste ist erarbeitet, die Menschen hungern nicht, aber sie sind nicht gesund, sie sind nicht glücklich, sie sind gefangen im ewigen Kreislauf von Arbeit und erloschenen Träumen.

Rebecca: Diese Gesellschaft lebt mit den Naturgewalten, vor allem mit dem Wasser, vom Wasser, am Wasser, im Wasser – übrigens wortwörtlich auch in unserem Bühnenbild!

Beverly: Die Männer sind Seeleute, meistens weit weg und arbeiten. Die Frauen bleiben als »Weiße Witwen« im Dorf zurück. Sie warten, altern und ziehen Kinder auf…

Rebecca: Wer ein bisschen mehr hat, wie etwa der Kapitän, ist ein Außenseiter. Daland und seine Tochter Senta haben diese Sonderstellung. Das bringt ihnen auch Missgunst ein, Neid.

Beverly: Und Neid und Missgunst können sehr weit gehen. Wir sind in der Vorbereitung auf diese Inszenierung darauf gestoßen, dass eine Gemeinschaft von Fischerdörfern im hohen Norden Norwegens jahrzehntelang Frauen und Männer aus ihrer Nachbarschaft als Hexen verbrannt hat. Auslöser für eine Verurteilung waren oft Streitigkeiten um den ohnehin geringen Besitz, um Geld. Man muss sich das vorstellen: Eine winzige Gruppe von Menschen hat Hunderte ihrer Mitglieder in die Flammen gestoßen! Innerhalbeiner solchen Gemeinschaft müssen ja ungeheure Spannungen und Ängste zugange sein!– Das hat uns interessiert: Was diese Angst mit den Menschen macht.

Rebecca: Es ist ja nicht nur die Angst vor der Welt da draußen, die ja in den Naturgewalten sehr feindlich entgegenkommt, sondern auch die Angst vor sich selbst. Das Böse ist für die Gemeinschaft real. Die Hölle, das Böse, ist viel realer als jegliche, etwas verschwommene, höhere Macht. Der Himmel ist weit weg, die Hölle ganz real. Und das Böse, oder wer böse ist, muss sterben. Dann ist eine Zeitlang alles in Ordnung, bis das Böse wieder hochkocht und wieder entfernt werden muss.

Beverly: Es muss Opfer geben, um die Angst zu beruhigen. Wir opfern unsere Nächsten, auch heute noch. Ob wir wirklich töten oder jemanden aus einer Gruppe ausstoßen, ob wir mobben oder lynchen, ob wir eine Einzelperson als Opfer auserkoren haben oder eine andere Gruppe: Wir töten umsonst, denn die Angst kommt immer wieder…

Dann ist sozusagen »die Frist um« wie beim Fliegenden Holländer, der alle sieben Jahre an Land geht?

Beverly: Genau darum geht es: Der Holländer IST das innerste Fürchten und Sehnen der Gemeinschaft. Er ist geboren aus der Gemeinschaft der Seeleute.

Rebecca: Er ist die Ausgeburt ihrer bösen Träume, aber auch ihrer Wünsche. Der Holländer braucht die tödlichen Naturgewalten nicht zu fürchten, den Sturm, die Wellen, den Abgrund, die Klippen: des Seemanns Tod. – Aber nicht des Holländers Tod... Unflätig und lachend segelt er dem Tod davon. Und weil das nicht sein darf, muss er verflucht sein. Verdammt zu Todessehnsucht, zu Einsamkeit.

… Außer er findet eine Frau, die ihn erlöst!

Beverly: Diese Idee ist nicht schlecht! Manchmal können wir Menschen einander erlösen. Aber: Warum muss es eine TREUE Frau sein? Die erhoffte Treue der Frauen als erstrebenswertes Gut hat es in alle Religionen der Welt, in die Philosophie und Kunst geschafft. Warum? Weil alle Religionen der Welt, die Philosophie und Kunst von Männern dominiert werden?

Rebecca: Was sagen die Matrosen? – Die Frau muss schwanger sein, bevor man in See sticht. Die Sehnsucht der Männer nach der Treue der Frauen hat handfeste biologische Gründe …

Beverly: Und die Komplizenschaft der Frauen kommt dazu. Woher bloß? Die Treue der Frauen, ist sie der Wahnsinn der Männer?

Senta ist ja inmitten dieses Wahnsinns. Fällt sie ihm zum Opfer?

Rebecca: In gewisser Weise. Senta stirbt am Traum von der großen, einzigen Liebe bis in den Tod. Mit ihr träumen die anderen Frauen von der großen Liebe, die so anders als die recht banale Realität ihrer Leben sein soll. Dieser Mythos ist stärker als jede gelebte Realität. Diesem Mythos kann man sein kleines Erdenglück opfern, um speziell sein zu können, auf Frauenart besser als alle anderen sein…

Beverly: Noch keine Frau hat es geschafft, so treu zu sein, dass der Holländer erlöst werden konnte. Hunderte Frauen sind an diesem Traum krepiert. Der Holländer, mit hunderten Frauenleichen im Schlepptau… Wieso darf dieser Frauenmörder von einer Frau bedingungslose Liebe einfordern?

Rebecca: Der von Satan Verwunschene – die dunkle Seite zieht sie an. Senta will Magie und Freiheit und auf dem Schiff des Holländers davon segeln in die weite Welt… Zum Schluss scheint es keinen Ausweg mehr zu geben: Der drohende Vater, der Besitzanspruch erhebende Erik, der fliehende Holländer – sie sieht in keiner Richtung ein ertragenswertes Leben… sie war zu rebellisch, zu anders und muss das büßen.

 Es gibt also keine Erlösung?

Beverly: Die Toten ruhen nicht, sie leben weiter in den Ängsten und dunklen Träumen, …

Rebecca: …in der Figur des Holländers.

Beverly: Wir erzählen unsere Geschichte über die Gemeinschaft. Sie sind wir, in unseren dunkelsten Momenten und in unseren normalsten. Sie machen ja weiter, leben, haben Kinder, erzählen sich Geschichten…

Rezensionen

Spannendes Psychodrama

»Kernig kräftig sangen die großen Chöre, (Wolfgang Müller-Salow). Mirko Roschkowski beherrschte seine anspruchsvolle Tenorpartie als Erik mit stets frischem lyrischem Belcanto, gab dieser Premiere stimmliche Dominanz. Joachim Goltz zeigte als Holländer darstellerisch und stimmlich große Präsenz. [...] Die Sage um den fliegenden Holländer wird in Hagen inmitten einer einmaligen Wasserlandschaft zum Psychogramm einer Dorfgemeinschaft, in welcher Verruchtes, Hass und Vorurteile stets präsent sind. Der Regieansatz; für Besucher wie Ensemble anspruchsvoll wie optisch ungewöhnlich reizvoll. Das Premierenpublikum dankte mit großem Beifall.«

www.ioco.de

Publikum feiert großartiges Ensemble

»Veronika Haller gibt mit der Senta ihr Wagner-Debüt und zeichnet diese Frau in ihren psychotischen Schüben, aber auch in ihrer mädchenhaften Unerfahrenheit mit viel Leuchtkraft. Mirko Roschkowski ist als Erik eine Idealbesetzung mit großem Tenor, der selbst in exponierten Lagen nie an Schmelz und Glanz einbüßt. Und Joachim Goltz verkörpert die Widersprüchlichkeit und die Anziehungskraft des Holländers mit gefährlichen baritonalen Farben, mal gespenstisch fahl, dann wieder verführerisch lyrisch. […] Nach der Premiere feiert das Publikum ein großartiges Ensemble und das raffinierte Dirigat von Mihhail Gerts mit Beifall im Stehen.«

Westfalenpost / Westfälische Rundschau

Bildmächtiges Regiekonzept

»Die Bühne steht knöcheltief unter Wasser. […] Es ist ein mythischer Raum, den Ausstatter Peer Palmowski gebaut hat; Wasser als Urelement, das die Personen der Bodenhaftung und der Realität entzieht. […] Es gibt viele kluge Gedanken in dieser mehrdimensional gedachten Inszenierung […] Joachim Goltz besticht vom ersten Ton an mit enormer Präsenz und ausgezeichneter Textverständlichkeit. […] Mirko Roschkowski als Erik singt die Partie mit hellem und eher leichtem Tenor zupackend und gibt ihr auch szenisch Gewicht. […] Chor und Extrachor singen ganz ausgezeichnet und mit großer Klangfülle. […] Mihhail Gerts dirigiert ganz große Oper […] Ein spektakulärer und spannender Holländer, der mit einem interessanten und bildmächtigen Regiekonzept ebenso sehens- wie hörenswert ist.«

Online Musik Magazin

Besetzung | Mi 24.05.2017 / 19:30 Uhr

Auf einen Blick

Theater- und Konzertkasse:
02331/207-3218