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Hallo Nazi

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Hallo Nazi

Jugendstück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz

ab 14 Jahren

 

Aufführungsdauer: 1 Stunde 20 Minuten

Donnerstag, 23. Februar / 12:00 Uhr
Normalpreis: 6,00 Euro
lutz | theaterhagen
    Elberfelder Str. 65, 58095 Hagen
Ausverkauft

Beschreibung

In einer Landgemeinde überfällt eine Gruppe rechtsextremer Jugendlicher ein Lokal, das von Flüchtlingen betrieben wird. Rudi und Jamal werden in Polizeigewahrsam genommen und in der einzig freien Zelle untergebracht. Hier dreht sich die Spirale aus Gewalt, Angst, Vorurteilen, Unsicherheiten und Hass weiter – bis die Nachricht aufschlägt, eines der arabischen Opfer sei nach dem Überfall im Krankenhaus verstorben. Plötzlich wird aus einer Aktion, die zur Abschreckung gedacht war, Totschlag. ...

Der minderjährige Rudi, der das erste Mal bei einer rechtsextremen Aktion dabei war, soll dafür die Verantwortung übernehmen - er bekäme nur Jugendknast. Sollte er allerdings die anderen mit reinziehen, würde aus dem »guten Kameraden« ein Verräter...

Lutz Hübner und Sarah Nemitz haben ihr Stück Hallo Nazi, das 2001 am Theater Junge Generation Dresden und am GRIPS-Theater zur Uraufführung kam, für die Hagener Erstaufführung überarbeitet. Die Haltungen und Mechanismen haben sich seither kaum verändert, einzig der Fokus der Aggression hat sich verlagert: Waren es bei der Uraufführungsfassung noch polnische Jugendliche, die als Ziel rechtsradikaler Gewalt galten, sind es nun geflüchtete Menschen.

Hallo Nazi ist ein Stück über rechte Gewalttaten in unserer Gesellschaft. Es ist ein Versuch, aus der Perspektive der Täter die Eskalation von Ge­walt gegen »die Anderen«, »die Fremden«, »die Asylanten« zu erklären und sich eigener Vorurteile bewusst zu werden. Es soll anregen über Ras­sismus, Rechtsextremismus und die Folgen für unsere demokratische Gesellschaft zu diskutieren.

Drei Fragen an das Autorenteam Lutz Hübner und Sarah Nemitz:

Hallo Nazi entstand 2001 für das Theater Junge Generation in Dresden und das GRIPS-Theater. Welche gesellschaftspolitische Situation hat Euch damals veranlasst, das Jugendtheaterstück zu schreiben?

Das Konzept war, zwei mobile Produktionen zu haben, die durch Brandenburg und Sachsen fahren. Wir wollten direkt in die Orte, in denen sich damals eine rechtsradikale Jugendkultur entwickelte, Kameradschaften »national befreite Zonen« durchsetzten und damit de facto oftmals den öffentlichen Raum kontrollierten, während sich die NPD als Partei der ‚kleinen Leute‘ gerierte. Politisch wurde das Problem von den Landesregierungen geleugnet oder kleingeredet. Deshalb fanden wir es besonders wichtig, von Theaterseite darauf zu reagieren. Es gab nach jeder Vorstellung Gespräche mit Experten (z.B einem Richter, der auf die Verfolgung von rechtsradikalen Straftaten spezialisiert war) und Diskussionen mit dem Publikum. Das war für die demokratischen Kräfte vor Ort wichtig und wurde von den Neonazis durchaus als Bedrohung verstanden. Es gab Angriffe auf Spielorte, protestierende Neonazis vor dem Theater, aber eben auch Gespräche mit Jugendlichen, die rechten Gesinnungen zuneigten und hier eine Möglichkeit hatten, darüber zu reden, ihre Meinungen zu reflektieren und eventuell auch zu revidieren. Die waren unsere Zielgruppe: die zweifelnden Jugendlichen auf der Kippe. Die überzeugten Nazis erreicht man mit Theater nicht.

Auf der gleichen Dramaturgie aufbauend habt Ihr – gerade mal 15 Jahre danach – für das lutz eine neue Fassung erstellt. Geschah dies aus kosmetischen Gründen oder aus aktueller Notwendigkeit?

Das Problem rechtsradikalen Gedankenguts hat sich leider nicht erledigt – im Gegenteil. Nur hat sich die Erscheinungsform verändert. Rechtes Gedankengut hat Metastasen bis hinein in die bürgerliche Gesellschaft gebildet, es geht nicht mehr vorrangig um geschlossene rechtsradikale Visionen eines ‚völkischen‘ Deutschlands, sondern um das Bedrohungsszenario der ‚Überfremdung‘ und Islamisierung. Es braucht kein geschlossenes rechtes Weltbild mehr, sondern manchmal nur die Idee, ‚etwas gegen die tun zu müssen‘, eine zunächst vielleicht vage Unzufriedenheit, das Gefühl, übervorteilt zu werden. Das wird von den immer noch bestehenden rechtsradikalen Strukturen natürlich genutzt – oder von Parteien, die sich als Retter der deutschen Volksseele aufspielen. Darüber hinaus war es wichtig, die für Ostdeutschland geschriebene Fassung auf westdeutsche Verhältnisse zu übertragen.

Ist das Jugendtheater der richtige Ort für politische Auseinandersetzung?

Unbedingt. Wobei es wichtig ist, den Jugendlichen keine vorgestanzten Thesen vorzulegen, sondern Denkanstöße zu vermitteln. Das Theater bietet einen Raum, in dem Jugendliche zusammenkommen, ein gemeinsames Erlebnis haben und danach die Möglichkeit, sich darüber auszutauschen. Dazu an einem Ort, der nicht Schule ist, sondern exterritorial, wo sie also selbst entscheiden können, ob sie das Angebot annehmen oder nicht. Im Dunkeln gemeinsam mit anderen eine Geschichte zu erleben, die ein Thema behandelt, das mit den eigenen Lebensverhältnissen zutun hat – das ist in Zeiten digitaler Echoräume, die oft nur eine vorgefasste Meinung bestätigen, eine Chance für Kommunikation und damit Demokratietraining. 

Besetzung | Do 23.02.2017 / 12:00 Uhr

Auf einen Blick

Theater- und Konzertkasse:
02331/207-3218