Ein Mädchen saß allein ...

Ein Masken-Theater der etwas anderen Art von Jugendclub, Spielplanclub & Backstageclub
unter der Leitung von Theaterpädagogin Miriam Walter

 

Eine Geschichte, die sich hier nach und nach weiterentwickelt, nimmt ihren Lauf:

In den Wochen ab Mitte März konnten wegen der Corona-Krise nicht nur keine Aufführungen am Theater Hagen stattfinden, auch die Clubs für Kinder, Jugendliche und Senioren mussten entfallen.

Jugendliche aus dem Jugendclub von Miriam Walter haben ihre kreative Energie in das Schreiben einiger Texte gesteckt.

Die Welt, sie dreht sich immer weiter, doch unsere gesamte Welt steht still. Wir beide, wir drehen uns immer weiter und stehen letztlich doch nie still. Wir müssten eigentlich reden über unsere Sprachlosigkeit, wir müssten uns eigentlich fühlen bei dieser Gefühlslosigkeit, wir müssten uns eigentlich in die Augen schauen nach all den ausweichenden Blicken, wir müssten eigentlich unseren Atem teilen bei all der Atemlosigkeit um uns herum. Unsere Lippen müssten sich eigentlich treffen nach all dem Schweigen. Unsere Körper müssten eigentlich ineinander verschlungen sein nach all der Distanz, dein warmer und gleichmäßiger Atem in meinem Nacken müsste mich eigentlich zur Ruhe bringen in dieser ruhelosen Zeit. Ich müsste dir eigentlich echt mal sagen, dass ich dich liebe, in dieser lieblosen Zeit, eigentlich müsste ich dir das erzählen und nicht all diesen kulturliebenden Menschen. Bist du auch einer von Ihnen? Bin ich eine von Ihnen? Sind wir welche von Ihnen? Ich liebe dich, eigentlich schon ziemlich lange. Du hast mir eigentlich die wirklich wichtigen Dinge des Lebens gelehrt, mich in Individualität und in der Lehre der Avantgarde unterrichtet und mir gezeigt, wie sich Vollkommenheit, Glückseligkeit und Sinnhaftigkeit anfühlen. All diese Worte schreibe ich für dich, doch dein Antlitz wird diese "Message in a bottle" wohl niemals aus den tosenden Wellen meines Ozeans aus Gefühlen herausfischen. All diese Leuchtturmsignale werden dich nicht in den sicheren Hafen locken. Eigentlich müsste ich mich in die (be-)rauschenden Fluten des Meeres stürzen, die Freiheit in Form von Salzwasser auf meinen Lippen schmecken und mit dir gemeinsam auf den Wellen des Lebens reiten. Doch diese Strömung, sie treibt dich von mir weg. Wie vieles auf die Distanz eigentlich möglich wäre, wie viel Nähe wir auskosten dürften, wie verboten unser gar nicht mal so kleines Liebesspiel wäre. Unser Ozean, er liegt auf Eis und unsere Herzen, sie liegen erstarrt im Eis verborgen. Mein Herz, es schlägt so bedingungslos für dich bis zum letzten Schlag, es gehört voll und ganz dir, ich gehöre voll und ganz dir. Ich liebe dich. Wie gut es tut, dies endlich auszusprechen. Ich liebe dich.
Mrs. Kierkegaard

So hell scheint der Mond an jenem Abend, ich weiß nicht wie viel Uhr wir haben – ich weiß nicht welchen Tag wir haben – ich weiß nur, dass ich dieses Haus seit Tagen nicht verlassen habe. Ich bin wie betäubt, alles rauscht an mir vorbei, wie eine ewig lange Nacht …

Schon mehrmals ist es mir in den letzten Wochen so ergangen, dass ich jeden Sinn für die Wirklichkeit verloren hab. Jedoch, wenn man sich dann wieder unter Leute traut, ist man wie im Rausch und nimmt die Welt mit völlig anderen Augen wahr!

Vor kurzem hatte eine Freundin von mir ihren 18. Geburtstag, dieser besondere Tag, mit all ihren lieben zu genießen, blieb ihr verwehrt.
So oft sitze ich in letzter Zeit da und denke über diese kleinen aber doch bedeutenden Augenblicke im Leben nach – wie wichtig es doch ist seine Freunde und Familie um sich zu haben, bei mir sind es momentan besonders meine Freunde, denn ein Telefonat ersetzt nicht eine ganze Person und dass was man mit ihr erlebt. Wie ein Theaterbesuch oder mal wieder einen ganzen Abend mit seinen Freunden verbringen, mit ihnen reden und einfach Spaß zu haben.

Denn genau das ist es doch, was uns momentan am meisten fehlt die Liebe und Nähe zu anderen das ist auch, was wir nach dieser Zeit mehr wertschätzen sollten und werden.

~X

Hanna: Hallo, ich bin Hanna. Hanna Hase und ich lebe hier im Wald mit meinen Freunden. Da vorne sehe ich ja schon Hans. Er ist mein bester Freund und wohnt in Hasenbau direkt neben mir und meinen Eltern. „Hallo Hans.”
Hans: „Hallo Hanna, wie geht es dir? Wir haben uns ja so lange nicht mehr gesehen. Wir durften so lange nicht nach draußen, aber jetzt endlich dürfen wir uns wieder sehen. Endlich nach draußen in die Sonne.”
Hanna: „Ich bin auch froh wieder raus zu dürfen. Immer nur zu Hause war es sehr langweilig. Nur mit meinen Eltern und Geschwistern spielen fand ich doof. Meine Eltern sagten die ganze Zeit räum doch mal dein Zimmer auf, hilf mir bitte mal hier oder da. Jetzt reicht es mir. Ich habe eine Idee. Komm lass uns unsere anderen Freunde suchen. “
Hans: „Sieh mal, da hinten stehen ja schon Rehgina und Reiner auf der Lichtung. Lass uns zu ihnen rübergehen.”
Hanna: „Hallo Rehgina, hallo Reiner.” Rehgina: „Hallo ihr beiden. Endlich sehen wir uns mal wieder.”
Reiner: „Was macht ihr?”
Hanna: „Wir besuchen alle unsere Freunde und ich habe mir überlegt, eine Überraschung für meine Eltern zu machen.”
Hans: „Was denn für eine Überraschung?” Hanna: „Das habe ich dir auch noch nicht erzählt. Ich dachte wir könnten vielleicht Essen sammeln und alles schön dekorieren, um unseren Eltern eine Freude zu machen und ihnen zu zeigen, dass wir alt genug sind, Entscheidungen zu treffen und etwas alleine machen können.”
Rehgina: „Die Idee finde ich gut. Ich war auch gerade auf dem Weg das Essen für zu Hause zu sammeln. Dann machen wir das einfach zusammen und überraschen unsere Eltern.”
Reiner: „Aber alleine schaffen wir das nicht.”
Hans: „Dann lass uns doch Ina und Ingo Igel fragen. Die helfen uns bestimmt.”
Reiner: „Aber dann müssen wir auch Mia und Mika Meise fragen. Die können sehr gut Äste sammeln.”
Rehgina: „Gut, Hanna und ich gehen zu Mia und Mika und Hans und Reiner ihr holt Ina und Ingo Igel.” Hanna: „Und dann treffen wir uns alle hier auf der Lichtung wieder. Dann besprechen wir gemeinsam, wer sich um was kümmert.”
Hans: „Und was ist mit Willma und Willi Wildschwein? Wer sagt denen bescheid?”
Rehgina: „Die machen doch nur wieder alles kaputt.”
Hans: „Aber das sind doch unsere Freunde.”
Reiner: „Die sind aber immer so gemein zu uns.”
Hans: „Aber dann sind wir doch gemein zu denen, wenn wir sie nicht einladen. Dann schließen wir die beiden doch aus”
Hanna: „Ich bin dafür, dass wir jetzt erst einmal die anderen holen, so wie Rehgina es gesagt hat und dann sprechen wir mit den anderen darüber, was die von der Idee halten.”
Hans: „Aber das …“
Reiner: „Komm schon. Wir gehen jetzt.”
Rehgina: „Du, was denkst du, sollen wir Willi und Willma einladen oder lieber nicht?“
Hanna: „Die machen bei uns immer alles kaputt. Ich weiß es nicht.” Hans: „Findest du es nicht gemein, wenn wir die beiden nicht einladen?”
Reiner: „Nein. Die sind immer so gemein zu uns.” Hans: „Aber was ist, wenn wir euch nicht einladen würden mit uns etwas zu unternehmen? Das würdet ihr doch auch doof finden oder etwa nicht?”
Reiner: „Ja, aber...” Rehgina: „Aber wenn die etwas Planen, wären wir ja auch gerne dabei, oder was denkst du?”
Hanna: „Da hast du Recht. Na vielleicht können wir mit denen ja …"
Hans: „Ein Vertrag. Vielleicht bekomme ich euch damit rum.”
Reiner: „Ein Vertrag!?”
Hans: „Ja, ein Vertrag. Da steht dann drin, dass die alles machen müssen, was wir sagen. Und sie dürfen uns nicht ärgern. Und dann vielleicht noch eine Vereinbarung.” Hanna: „Eine Vereinbarung müssen wir denen anbieten, dass sie kommen dür fen, aber sich an uns halten müssen und nur das dürfen, was wir ihnen sagen, damit nichts schlimmes passiert. Was denkst du?”
Rehgina: „Das könnte vielleicht klappen. Schau mal. Wir sind da. Dort oben ist das der Meisenfamilie.”
Reiner: „Sie mal da hinten wohnen Ina und Ingo. Wettrennen bis da hinten. Wer zu erst dort ist...”
Hanna: „Mia, Mika, seid ihr zu Hause? Hallo, wir sind es. Rehgina und Hanna. Dürft ihr noch nicht wieder nach draußen?”
Rehgina: „Wir wollen euch unbedingt etwas sagen.”

AnnC