Dirigent: Sebastian Lang-Lessing
Fanny Mendelssohn-Hensel
Das Jahr (Juli bis Dezember)
für Orchester bearbeitet von Detlev Glanert
Robert Schumann
Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61
Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120
Zusatzkonzert
„Sie ist das erste Werk der Gegenwart […]. Wer wollte noch an Schumanns Genius zweifeln?“, urteilte die Neue Zeitschrift für Musik über dessen zweite Sinfonie. Dennoch fristete sie lange ein Nischendasein neben den populäreren Schwesterwerken. Infolge einer schweren gesundheitlichen Krise musste sich Schumann 1845 schonen und verbrachte die Zeit mit Kontrapunktstudien – sein „Fugenjahr“, an dessen Ende er mit der Komposition der Zweiten begann. Ihren fast klassizistischen Charakter schuldet die Sinfonie der Auseinandersetzung mit den Vorgängern Bach, Haydn, Mozart und Beethoven, die bisweilen sehr deutlich zutage treten. So zitiert sie Bachs Musikalisches Opfer, die Anfangsfanfare erinnert an Haydns Salomonsinfonie. Den Vergleich mit der Jupitersinfonie Mozarts (1. Sinfoniekonzert) brachte Schumann selbst ins Spiel, die Entwicklung von c-Moll zu C-Dur erinnert an Beethovens fünfte Sinfonie (5. Sinfoniekonzert), und beim finalen Durchbruch zitiert sie dessen Liederzyklus An die ferne Geliebte.
Die vierte Sinfonie ist eigentlich Schumanns ‚echte‘ zweite. Ihre Erstfassung entstand bereits 1841 kurz nach der Frühlingssinfonie und kam auch zur Aufführung. Um ihr den letzten Schliff zu geben, fehlte jedoch die Zeit. Erst 1851 begann er mit einer umfassenden Neuinstrumentierung, und nach ihrer umjubelten Uraufführung 1853 wurde sie schließlich verlegt – als letzte der Sinfonien und damit als vierte. Ihr großer Reiz liegt in ihren scheinbaren Gegensätzen: Konzeptioniert als Werk in einem Satz ist sie ohne Unterbrechung aufzuführen, wenngleich sie klassisch vier Sätze besitzt. Die enge Verwandtschaft des thematischen Materials unterstreicht diese Geschlossenheit; zugleich weicht Schumann vielfach von formalen Konventionen ab und erzeugt so eine unerwartete Offenheit.
Vor den Sinfonien erklingen die Monate Juli bis Dezember aus Fanny Mendelssohn-Hensels Das Jahr in einer Orchesterbearbeitung von Detlev Glanert.