Lars von Triers Film Dogville, 2003 uraufgeführt, fasziniert Ballettdirektor Taulant Shehu in seiner Thematik und seinen minimalistischen Raumwelten seit langem. Auf Grundlage dieses Films sind zahlreiche Theaterstücke und auch eine zeitgenössische Oper entstanden. Nun wird daraus Tanz! In zwei Kapiteln entwickeln die international renommierten Choreograf*innen Xie Xin und Brigel Gjoka, die eine enge künstlerische Zusammenarbeit verbindet, ihre jeweils eigene Version.
In seiner Kreation untersucht Brigel Gjoka menschliche Beziehungen in ihrem latenten Drang nach Dominanz, in ihrer Kraftentwicklung und Verkörperung. „Mich fasziniert die Geschwindigkeit, mit der Überzeugungen zu dogmatischen Ideologien erstarren, und die Art und Weise, wie der Körper diese aufnimmt, ihnen widersteht und sie schließlich reproduziert. Der Konflikt zwischen Empathie und Eigeninteresse innerhalb menschlicher Beziehungen ist physisch dringlich – ein akuter Spannungsaufbau – und frappierend zeitgemäß. Wir leben in einer Gesellschaft, die nach Demokratie dürstet, aber zunehmend an Einfühlungsvermögen verliert und stillschweigend ihre eigenen Versprechen erschöpft. Mit meiner Version von Dogville möchte ich diese fragile und beunruhigende Widersprüchlichkeit spiegeln.“
Die Choreografin Xie Xin, deren Kreation für das Hamburg Ballett, The Moon In The Ocean, zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Heftes Premiere feierte, nimmt in ihren choreografischen Arbeiten das Individuum in seiner Einzigartigkeit in den Fokus und sucht in ihren getanzten Schilderungen gleichzeitig die Dualität im Ich.