
Komische Oper von Jean-Philippe Rameau
Komische Oper in drei Akten mit einem Prolog
Libretto von Adrien-Joseph Le Valois d’Orville
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Ab 14 Jahren
Liebe und Wahnsinn treten bekanntermaßen gerne gemeinsam in Erscheinung, so auch in Jean-Phillippe Rameaus irrwitziger Oper Platée.
Um Junon, die Gattin des Jupiter, von ihrer schrecklichen Eifersucht zu heilen, überlegen sich die Freunde des Götterkönigs einen Scherz: Jupiter soll sich zum Schein in die lächerlichste Person verlieben, die aufgefunden werden kann, um der Ehefrau die Sinnlosigkeit ihrer Ängste bewusstzumachen. In der Sumpfnymphe Platée, die nicht gerade mit Schönheit, aber dafür mit übermäßigem Selbstbewusstsein ausgestattet ist, findet sich ein passendes Opfer. Tatsächlich willigt die Nymphe ein, den Gott zu heiraten, und es kommt zur grotesken Scheinhochzeit.
Platée ist wohl eines der ungewöhnlichsten Musiktheaterwerke des 18. Jahrhunderts. In brillanter Kompositionsweise orientiert sich Rameau darin weniger an den Opernkomödien seiner Zeit, sondern schafft eine herrlich verrückte Gesellschaftssatire. Zwar irritierte die gewagte Handlung das Publikum der Uraufführung 1745, doch die Musik mit ihren mitreißenden Tänzen und lautmalerischen Effekten machte Platée schnell zu einer der beliebtesten Opern Rameaus.
Die musikalische Leitung der Produktion übernimmt der international gefragte Dirigent Nicholas Kok, ein wahrer Experte für Alte Musik. In der Regie von Anja Kühnhold, die vielfach u. a. am Staatstheater Karlsruhe und an der Dutch National Opera Academy inszeniert hat, und der Ausstattung von Julia Katharina Berndt wird Rameaus Komödie als schrill-buntes Spektakel auf die Bühne des Theater Hagen gebracht. Die tänzerischen Divertissements werden von Giovanni De Domenico choreografiert, der bereits für Musicals und Shows auf der ganzen Welt gearbeitet hat.
Fotos:Leszek Januszewski
Hinreißendes Ensemble und ein wunderbares Orchester
Das Theater Hagen untersucht mit seiner Interpretation, wie Komik entsteht und ob alles, worüber wir lachen, wirklich komisch ist. Die Botschaft ist verpackt in einen wahren Rausch schöner und noch schönerer Kostüme. Dazu kommen ein hinreißendes Ensemble und ein wunderbares Orchester. Das Publikum feiert die Premiere mit Beifall im Stehen. […]
Der Olymp ist ein Grandhotel. Hier glitzert und glänzt es überall. […] Anja Kühnhold gelingt es, die moderne Handlungsebene, das Hotel, stets ohne Zwang an die mythologische Vorlage anzubinden. Ihre Arbeit funktioniert auf beiden Ebenen bis ins kleine Detail. Auch die grandiose Raumarchitektur von Julia Katharina Berndt spiegelt beide Erzählwelten. […] Das Publikum kommt aus dem Schauen und Wundern kaum heraus.
Der Alte-Musik-Spezialist Nicholas Kok macht mit den bestens motivierten Hagener Philharmonikern die Partitur zum Ferst. Nicht nur die mitreißenden Menuette, Gavotten und Divertissements überzeugen, die Vogelrufe und das Donnergrollen, sondern auch die aparten Farbnuancen.
So macht Barockoper Spaß!
Kurzweilig, unterhaltsam, hervorragend musiziert […]. So macht Barockoper – lange Zeit ein rares Biotop für Spezialensembles – auch in der modernen Variante Spaß. […]
In den von Giovanni De Domenico gestalteten ausgezeichneten Choreografien wird der Tanz nicht nur in die Handlung eingebunden, er treibt diese auch weiter voran. Die choreografische Gestaltung ist dabei ebenso wie die Inszenierung zeitlos-modern. […] Zusammen mit Kühnholds ebenso durchdachter wie launiger Inszenierung ergibt sich hier ein stimmiges Bild. Das göttliche Liebes-Verwirrspiel gestaltet die Regisseurin als flottes Kostümspektakel mit Anklängen an historische Revuen, das höchst unterhaltsam ist. Gut zweieinhalb Stunden vergehen jedenfalls wie im Flug. […]
Hier zeigt sich das hervorragend tanzende Ballett des Theaters Hagen von seiner besten Seite. Tanz- und Ensembleszenen greifen eng ineinander, sind temporeich gestaltet und werden zusammen mit dem gesamten Ensemble mit hinreißendem Schwung gespielt. […]
Theodore Browne singt mit einwandfreier Technik und strahlend-tenoralem Timbre, das auch in der Höhe entspannt bleibt. Hinzu kommt eine geradezu überwältigende Spiellaune, die stets kontrolliert bleibt. […]
Auch das Philharmonische Orchester Hagen begeistert an diesem Abend durchweg. Alte-Musik-Spezialist Nicholas Kok hat das auf modernen Instrumenten und in kleiner Besetzung spielende Orchester sehr gelungen auf französischen Barock geeicht.
Unterhaltsam und bewegend
Am Theater Hagen inszeniert Anja Kühnhold Jean-Philippe Rameaus Ballettkomödie Platée über die von den Göttern verspottete Sumpf-Nymphe. Gesang, Tanz, Musik und Choreografie greifen ineinander und die Inszenierung unterhält und bewegt gleichermaßen. […]
Absolut verdient ist hier die Bezeichnung Ballettkomödie, da dem 13-köpfigen Hagener Ballettensemble nicht bloße Verzierung zukommt, sondern klare Rollen. Die Tänzer:innen Lázaro Sierra Cairo, Camille Zany, Maria Sayrach Baró, Quentin Nabor sind personifizierte Charakterseiten Platées. […]
Dass Giovanni de Domenico ein erfahrener Musical-Choreograf ist, merkt man: kein statischer Chor (Einstudierung: Julian Wolf), fließend-sitzende Bewegungen der Darstellenden. Die Barockmusik aus dem Graben passt zur leichten Komik.
Urkomisch und mit modernem Twist
Die Handlung gelingt im Theater Hagen mit wenigen klug ausgewählten Stellschrauben als überdramatische Komödie. […]
Regisseurin Kühnhold schafft eine starke Verbindung zwischen Musik und Bühne, lässt Musik durch Tänzer, Sänger und Chor physisch werden. Wenn Angela Davis als von Madonnas „Vogue“ inspirierte „La Folie“ im Barockkostüm singt, wird jede Verzierung, jeder Schlenker als Bewegung der Masse aufgegriffen.
Muntere Barockrevue
Theodore Browne spielt mit wohldosiertem, nicht überzogenem Maß an Witz und (Selbst-)Ironie und überzeugt mit leichtem, hellem Tenor auch musikalisch. […]
Das überzeugende Hagener Ballettensemble ist stark gefordert. Die Choreographie von Giovanni De Domenico lässt barocke Formen nur entfernt durchschimmern und bedient sich großzügig bei Street Dance und Revue. Der Tanz bekommt damit eine zentrale Bedeutung, wie er sie bei Rameau besaß, und wird zu einem tragenden Element des Abends. […]
Verblüffend gut spielt das Hagener Orchester unter der Leitung von Gastdirigent Nicholas Kok. Mit zupackender Energie erklingen die orchestralen Zwischenspiele und Ballettmusiken ebenso virtuos wie präzise. Der Orchesterklang ist scharf konturiert und doch homogen. […]
Muntere Barockrevue mit Augenzwinkern: Mit einer guten Ensembleleistung und einem über sich hinauswachsenden Orchester.
Kurzweilig, Prall und lebendig
Die von genauer Personencharakterisierung, rasantem Bühnengeschehen und viel Witz geprägte Inszenierung von Anja Kühnhold versetzt die Handlung in die Gegenwart, konkret in ein Grand Hotel, einem typischen Ort, an dem heutzutage Menschen verschiedenster Typen und Klassen aufeinandertreffen.
Die musikalische Verantwortung liegt in den erfahrenen Händen des Gastdirigenten Nicholas Kok. […] Das Philharmonische Orchester Hagen ist mit allen Stilrichtungen vertraut und liefert unter seiner Leitung eine virtuose Leistung ab. Es meistert die brillante Partitur mit viel Schwung und sattem, trockenem barockem Klangbild, kann auch bei Bedarf silbrige empfindsame Töne anstimmen. […] Wer kurzweiliges, pralles, lebendiges barockes Musiktheater erleben möchte, sollte sich diese Produktion nicht entgehen lassen.