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Herzog Blaubarts Burg | Der wunderbare Mandarin

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    Herzog Blaubarts Burg | Der wunderbare Mandarin

    Oper von Béla Bartók / Ballett-Pantomime von Béla Bartók

    Herzog Blaubarts Burg
    Oper in einem Akt
    In ungarischer Sprache mit deutschen Übertexten
    In der Fassung von Eberhard Kloke

    Der wunderbare Mandarin
    Ballett-Pantomime in einem Akt
    Choreographie von Kevin O’Day

    Samstag, 15. Januar / 19:30 Uhr
    Normalpreis: 19,50 bis 48,00 Euro
    Großes Haus
        Elberfelder Straße 65, 58095 Hagen

    Beschreibung

    HERZOG BLAUBARTS BURG (A KÉKSZAKÁLLÚ HERCEG VÁRA)
    „Alle Türen will ich öffnen!“
    Aus Liebe zu dem geheimnisvollen Blaubart will Judith seine Vergangenheit ergründen und die Dunkelheit aus seinem Leben vertreiben. Dabei verstrickt sie sich selbst immer tiefer in seine Abgründe: Das Paar ringt um Annäherung, doch am Ende scheint die Einsamkeit unüberwindbar zu sein.

    Bartók griff in seiner einzigen Oper auf den bekannten Blaubart-Stoff zurück und schuf ein packendes Psychodrama. Äußere und innere Welt lassen sich nicht voneinander trennen, das ganze Stück lebt von symbolischer Verdichtung. Die sieben verborgenen Räume, die Judith nach und nach erkundet, zeichnet der Komponist mit impressionistischen Klangwelten und schafft damit überwältigende musikalische Bilder vom Seelenleben eines Paares.

    Die Inszenierung von Francis Hüsers in der Ausstattung von Alfred Peter geht der Symbolik auf den Grund, um die zwischen Männern und Frauen noch heute gültigen Muster von Anziehung wie von Gewalt spürbar werden zu lassen.

    DER WUNDERBARE MANDARIN (A CSODÁLATOS MANDARIN)
    Die Uraufführung von Bartóks Werk am 27. November 1926, angesiedelt im Milieu einer Vorstadt, in der Betrug, Kriminalität und Prostitution den Alltag prägen, löste aufgrund der ‚unmoralischen Handlung’ einen regelrechten Theaterskandal aus und wurde unmittelbar nach der Erstaufführung durch Konrad Adenauer, dem damaligen Oberbürgermeister der Stadt Köln, abgesetzt. Das Libretto von Menyhért Lengyel spiegelt die ungeschönte Wirklichkeit der Welt nach dem Ersten Weltkrieg in ihrer Verrohung, Hässlichkeit, Armut und ihren menschlichen Abgründen wider.

    Der an der Joffrey Ballet School ausgebildete Tänzer und seit 20 Jahren international renommierte Choreograph Kevin O’Day, der u.a. für das New York City Ballet, Les Grands Ballets Canadiens de Montréal und das Stuttgarter Ballett arbeitete, und der Bühnenbildner Thomas Mika stellen sich die Frage: Hat sich die Welt heute verändert – hat sie sich gar verbessert? Aus der aktuellen Perspektive greifen sie diesen Stoff auf und gestalten ein Werk, das die menschliche Existenz, die Frage nach Moral, Leid und sozialem Druck neu aufbricht. In diesem kompositorisch kompromisslosen OEuvre für großes Orchester „rücksichtslos modern“ und „ohne gefühlvolle Innigkeit“ löst sich Bartók entschieden von der Romantik. „Ich mache mir schon Gedanken zum Mandarin; es wird eine höllische Musik, wenn sie gelingt.“

    Freuen Sie sich auf ein musikalisch und choreographisch herausforderndes Erleben der Moderne, die zeitlose Gültigkeit besitzt.

    Fotos: Jörg Landsberg

    Rezensionen

    "Herzog Blaubarts Burg" in Hagen: eine Inszenierung, die nicht loslässt

    Die Musik sagt alles! (...) 'Schlüssig' ist für diese entschlüsselnde Inszenierung gar kein Ausdruck. Die sprechende Partitur setzt Regisseur Francis Hüsers kenntnisreich, detail-, aber nicht selbstverliebt in Szene. Sukzessive - eben wie in einem mehrmonatigen Therapieprozess - lösen sich erst die Seitenwände, dann die uns direkt und bühnenmittig kalt zugeneigte Gitterwand; und schließlich noch viel mehr. Der Bann bricht. Der Herzog erzählt immer mehr. (...) Dong-Won Seo in Guantanamo-Orange (Bühne und Kostüme stammen von Alfred Peter) [erbringt] eine eindringliche, berührende, verstörende Leistung (...) Hier muss nicht an der eigenen Stimme nachgerüttelt, nachgeschüttelt werden, um oberflächliche 'Expression' hinzulegen. Hier werden Phrasen in klarster Sprache - gesungen wird auf Ungarisch, übertitelt freilich auf Deutsch - ins Ohr gezimmert. Seo spielt großartig. (...) Seo ist ganz bei Judith - und bei uns. Nichts ist zugleich überzeichnet oder sonst irgendwie 'forciert' im Ausdruck. (...) Dorottya Láng - ungarische Muttersprachlerin, was für ein Glück! - ist, offenbar, die Gefängnispsychologin, die sich mehr und mehr in den Serienkiller Blaubart verliebt. Unnachahmlich, tief, nicht mehr rückholbar. (...) Dirigent Joseph Trafton lässt die fantastische Partitur Bartóks blühen, dräuen, drängen, schluchzen - und schreien! Eine fantastische Orchesterleistung; mutig, explizit und eben nicht frustriert-beamtisch dahinwabernd. (...) Trafton, das Orchester und die Inszenierung verschmelzen. (...) Beim Öffnen der fünften Tür haben sich alle Gitterstäbe, die Wände und der bühneneinengende, die kleine Gefängniszelle zuvor noch umgebende schwarze Stoff gelöst. (...) Bartók geht aufs Ganze. Das beste C-Dur der Musikgeschichte. Ein Strahlen, ein choralartiges Abgehen von langsamen Harmonieschritten. Wer hier nicht überwältigt ist, hat nie gelebt. (...) Doch die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Das - im Übrigen selten meisterhaft eingesetzte Licht (Hans-Joachim Köster) - geht (sich) aus. Man ist sprachlos. Was für ein Wurf."

    Opernwelt, März/2022

    KÜNSTLERISCH HERAUSRAGEND

    Der Doppelabend ist künstlerisch in jeder Hinsicht herausragend. Das Publikum feierte ihn mit viel Beifall und Bravorufen. […] Hagens Intendant Francis Hüsers als Regisseur rollt mit Bühnenbildner Alfred Peter das Seelendrama gleichsam von hinten auf. Eine Frau betritt mit ihrem Aktenkoffer das Gefängnis, in dem der Frauenmörder Blaubart seine Strafe verbüßt. […] Die junge Frau verfällt der Faszination des Mörders, sie versucht, hinter seine verschlossenen Seelentüren zu kommen, sie reibt sich an den Gitterstäben, sie weitet mit Blaubart gemeinsam das Gefängnis zu einer Projektion von Licht, Liebe, Freiheit und Träumen. […]
    Die ausgezeichneten Sänger verwandeln den Stoff in ein ebenso beklemmendes wie berührendes Theatererlebnis. Die ungarische Mezzosopranistin Dorottya Láng, welche die Judith bereits in Düsseldorf sang, beherrscht ein weites Spektrum musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten auch im Dialogischen. Naivität, Sehnsucht nach Liebe und Exotik sowie die professionelle Neugierde der Forensikerin / Gerichtspsychiaterin verbinden sich stimmlich zu einer faszinierend-explosiven Mischung. Der koreanische Bass Dong-Won Seo beobachtet die Anstrengungen seiner Gegenspielerin mit Pokerface und leichtem Lächeln und kann mit seiner wohlklingenden, großen Stimme verführen und manipulieren. […]
    GMD Joseph Trafton und das groß besetzte Philharmonische Orchester Hagen leisten Großartiges, denn sie spielen diese komplexe Partitur, die zwischen Spätromantik, Volksmusik und neuen Tönen schillert, wie in einem Atem, mit fein ausgeleuchteten zauberhaften Farben im Detail.  […]

    Das Orchester unter Trafton bringt auch den „Wunderbaren Mandarin“ zum Blühen, in dem Béla Bartók eine völlig andere, nun expressionistische Tonsprache einsetzt, welche die Geräusche der Großstadt in Rhythmus verwandelt und so getrieben ein groteskes Seelengemälde urbaner sozialer Verwerfungen zeichnet. […]
    Das Ensemble findet [in der Choreographie von Kevin O’Day] auf hohem Niveau Bilder für die Dynamik großstädtischer Gruppenbildungsprozesse, Annäherungen, Scheinverbrüderungen, Territorialkämpfe und Rivalitäten werden in eine virtuose, akrobatisch atemberaubende Bewegungssprache übersetzt, die Elemente von Street Dance integriert und die Compagnie immer wieder mit überraschenden Einfällen wie der Raupenhocke zu sozialen Skulpturen gruppiert. Am Ende steht jedoch trotz aller übereinander und nebeneinander geschichteten Tanzkörper eine bittere Erkenntnis. Jeder stirbt für sich allein.

    (Westfalenpost, Westfälische Rundschau)

    SPANNENDER ABEND MIT OPER UND BALLETT

    Zuerst: das Orchester! Was die Hagener Philharmoniker unter Leitung ihres Chefs Joseph Trafton zustande brachten, war mehr als hervorragend! Bartóks auch heute noch revolutionär wirkende Musik zu beiden Stücken kam in aller Komplexität aus dem Orchestergraben, ihre jeweilige Charakteristik war deutlich herausgearbeitet. […]

    Der Abend beginnt mit „Herzog Blaubarts Burg“. Der Plot stammt aus einem Märchen von Charles Perrault, wurde vielfältig literarisch variiert. […] Bei Bartók hat Judith ihre Familie und ihren Verlobten verlassen, um Blaubart zu folgen. [In der Inszenierung von Intendant Francis Hüsers] sitzt der überführte mehrfache Frauenmörder im orangen Sträflingsanzug im Hochsicherheitstrakt. Eine Psychologin soll im Auftrag der Staatsanwaltschaft ein Gutachten über ihn anfertigen und verliebt sich in ihn. Judith dringt so in seine Seele, in sein Inneres ein. […] Durch diese Interpretation wird das eher statische Geschehen intensiviert und lebendig gestaltet. Dieser Interpretation und dem Orchester fügen sich die beiden Solisten hervorragend ein. Dorottya Láng als Gast singt die Judith in beeindruckender Weise, und den Blaubart kann das Hagener Theater sogar aus seinem eigenen Ensemble besetzen: Dong-Won Seo besitzt eine derart sonore und raumfüllende Stimme, dass man nur staunen kann. Großer Beifall! […]

    Die unglaublich intensive und expressive Pantomime „Der wunderbare Mandarin“ dauert nur eine gute halbe Stunde, hat es aber in sich. […] Der renommierte Choreograph Kevin O’Day hat die Choreographie zusammen mit dem Ensemble entwickelt und in die Gegenwart geführt. Statt der nur sieben Personen des ursprünglichen Librettos tritt das gesamte Hagener Ballettensemble auf, eingeteilt in drei Gruppen: Sexarbeiter*innen, Kund*innen und Schlepper*innen, wobei die Geschlechter innerhalb aller drei Gruppen unterschiedlich sind. […] Die Rasanz und Intensität aller Tänzerinnen und Tänzer beeindruckte. Auch die tänzerische Darstellung der Handlungsbögen zwischen Spannung und Lösung gelang hervorragend, die temporeichen Massenszenen waren präzise und sensibel in allen Szenen in Bewegung umgesetzt.
    Das Publikum war restlos begeistert und feierte Ballettensemble und Choreographen lange, schloss schließlich auch Sänger, Dirigent, Orchester und Regieteam der Oper mit in seinen Beifall ein.
    Ein spannender, äußerst anregender Abend mit Oper und Ballett!

    (Deianira. Das Kulturportal)

    Besetzung | Sa 15.01.2022 / 19:30 Uhr

    Auf einen Blick

    Theater- und Konzertkasse:
    02331/207-3218